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Die Insel der Schatten
Blackdragon
#1 Beitrag drucken
Geschrieben am 17-07-2010 18:37
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Beiträge: 167
Registriert seit: 26.10.09

Die Insel der Schatten vom 25.09.2009 14:18

Diese Geschichte erzählt von Duor Haldar, dem großen Helden der Alburgen, der auf vielen Fahrten für die Freiheit seines stolzen Volkes von der Macht des Reiches Nodgard kämpfte, große Siege errang, schwere Niederlagen erlitt, der verehrt und gedemütigt wurde.
Die Alburgen waren ein Reitervolk, das die Weiten der Großen Lande besiedelte, aber nach langen Kriegen zu einem großen Teil unter die Herrschaft Nodgards gezwungen wurde. Ein Teil des Volkes konnte sich allerdings im bergigen Hordland behaupten, doch dieser Teil war uneins und zersplittert.
Ein anderes, mit den Alburgen verwandtes Volk, hatte sich nach diesen auch in den Großen Landen angesiedelt. Dies waren die Visingen, Meister der Seefahrt auf dem großen Weltmeer, die wegen ihrer Raubzüge bei anderen Völkern verhasst waren. Die Visingen kamen von den kalten Nordinseln, von denen einst auch die Alburgen gekommen waren, und angelockt von Beute und fruchtbarem Land waren sie über das Meer gekommen, um eine Reihe von Reichen zu gründen: Husbran, Gaelgamar, Ortholog, Scruthan und die größte Niederlassung, das neue Visland. In ihrem Schatten stand das Volk der Gorden.
Zur Zeit der Erzählung hatte sich die Macht Nodgards immer weiter über die Großen Lande ausgedehnt und zeigte den Visingen ihre Grenzen auf. Scharen visingischer Krieger suchten darum andere Wege zu Ruhm und Reichtum und fanden sie unter den Bannern ehrgeiziger neuer Kriegsherren, die nicht davor zurückscheuten auch gegen andere Visingen zu kämpfen.
Der berühmteste dieser Kriegsherren jener Zeit wurde Cathaer genannt. Er war der Sohn des visingischen Königs im kleinen Reich Hascamad und war von dort vertrieben worden. Einige Jahre danach fiel er im neuen Visland ein und wurde gefürchtet für seine Grausamkeit und seine Rücksichtslosigkeit. Auch von dort wurde er vertrieben und segelte mit seinem Gefolge nach Westen.
Dort lagen im Weltmeer die sturmumtosten Westinseln und die größte von ihnen hieß Insel der Schatten. Auch hier hattens sich Visingen angesiedelt und ihr Fürst war Rothgyr, der gute Beziehungen zum Reich von Husbran pflegte.
Sechs Monate nach Cathaers Fahrt nach Westen verließ noch ein anderes Schiff die Küste des neuen Vislands und nahm den Kampf gegen das winterliche Meer auf.



Die Insel der Schatten

Erster Teil: Wintersturm

Die Planken stöhnten unter den Schlägen der Wellen.
Es war, als hätten sich die finsteren Götter der Meere gegen das kleine Schiff verschworen, sie peitschten es mit Wind und Wasser. Schnee fiel neben Regen und eisige Brocken fielen in das Wasser und auf das Schiff, wo sie krachend auf dem Holz aufschlugen. Aber das Schiff gab nicht auf und die Segler weigerten sich auch nur das Segel einzuholen. Sie wollten sich nicht der seltenen Gnade der dunklen Wassermassen anvertrauen, lieber hielten sie ihr Schicksal in den eigenen Händen. Und so tanzte das kleine Schiff ständig auf den Wellenbergen, rauschte in die Täler hinab und stand dann wieder auf den schäumenden Bergen, als wäre es ein Habicht, der gegen den Sturm anflog und dennoch nicht fiel.
Ein grauhaariger alter Mann klammerte sich an den Rand, streckte seinen linken Arm darüber und begann dann Beschwörungen in den Wind zu rufen, während seine langen grauen Haare im Wind flatterten und sein dunkler Mantel schon vor Nässe troff.
Duor beobachtete den Mann, wie er zu den Göttern um ein Ende des Sturms betete. Die Götter würden dem Mann kein Ende des Sturms geben, dessen war sich Duor sicher. Es war Winter und die Stürme gehörten zu diesen Meeren wie die kurzen Tage und die langen Nächte, in denen die Seeleute nicht wussten, wohin sie trieben, da keine Sterne zu sehen waren, und nur hoffen konnten weiter in die richtige Richtung zu segeln. Er hatte das Treiben der Mächte, die von den Menschen göttlich genannt wurden, schon oft genug aus der Nähe erlebt, um nicht mehr auf sie zu hoffen.
Duor half das Salzwasser mit einem Holzeimer aus dem Rumpf des niedrigen Schiffs zu schütten. Er tat das mit ständig gleichen Bewegungen und viel Kraft. Er trug einen dichten Mantel und seine Kapuze verdeckte das blonde Haupthaar. Hinter ihm, ständig in Griffnähe, lag sein großes Schwert. Dieses Schwert nannte er Feuerbann und es war sein bester Freund auf dieser Reise, aber auch keine Hilfe, denn gegen die Kraft des Weltmeeres konnte er mit blankem Stahl nichts ausrichten. Er schüttete Wasser über Bord und wartete, was ihm das Schicksal brachte. Lange hatte er versucht es zu beherrschen oder zumindest zu erfahren, aber auf seinen vielen Irrfahrten hatte er irgendwann gelernt, dass er klein und unwürdig war seinen eigenen Weg zu kennen.
Dieses Schiff war das Beste, das er jemals gesehen hatte. Und gut war es durch seine Besatzung, diese zehn völlig durchnässten und verschnupften Männer in schmutziger Kleidung und triefenden Bärten. Es waren Visingen, sie gehörten zu einem Volk, dem das Meer eine von den Göttern gegebene Heimat war. Keine anderen Menschen stürzten sich so bereitwillig in den Kampf gegen die Wut des Meeres wie diese. Aber selbst für Visingen waren diese zehn herausragend, denn es war Winter und die meisten anderen wären lieber in Ashargathan getötet worden als diesen Kampf gegen den salzigen und kalten Tod auf dem nördlichen Weltmeer aufzunehmen.
Er, Duor Stulgardson, war keiner von ihnen. Er war Alburge, gehörte damit zu einem anderen Volk, das mit den Visingen nah verwandt, mit ihnen aber durch mehr Feindschaft als Freundschaft verbunden war. Seine Heimat war kein Schiff auf dem wilden Meer, seine Heimat bestand aus grünen Wiesen, hohen, glitzernden Bergen und den weiten Grasebenen, auf denen die Pferde weideten. Und dennoch war er an diese Visingen gebunden worden, sie waren diejenigen unter allen Gestalten auf dieser ihm feindlichen Erde, die er noch am ehesten seine Freunde nennen konnte. Einige ihrer eigenen Herrscher wollten seinen Tod und seine alten Feinde in Nodgard hatten ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt, so groß, dass man dergleichen in keinem Drachenhort finden konnte. Aber diese Visingen hielten zu ihm. Sie hatten denselben Willen zur Freiheit von Nodgard, der ihn seit achtundzwanzig Jahren durch alle bekannten Länder wandern und einen aussichtslosen Kampf führen ließ, so aussichtslos wie der Kampf des Schiffes gegen das Meer, der aber trotzdem noch nicht verloren war.
Und nun waren sie alle auf dem Weg zu einer sicheren Zuflucht, wenn es eine solche noch gab. Sie wussten nicht, ob es für alle derselbe Ort sein würde. Die Visingen wollten am liebsten unter ihresgleichen bleiben und sich in einem der drei westlichen Reiche ihres Volkes, Husbran, Gaelgamar oder Ortholog ansiedeln oder sich irgendeinen Ort in der Wildnis, vielleicht eine einsame Insel, suchen, wo sie vor ihren Feinden sicher sein konnten, deren Einfluss schon ihr ganzes Volk durchdrang. Duor hingegen wollte zu seinem eigenen Volk zurück. Oft hatte es ihn verachtet, verhasst und verstoßen, aber auch verehrt, unterstützt und bejubelt. Es war sein selbst gewähltes Schicksal für sein Volk zu kämpfen und daran hielt er fest. Er wollte nach Hordland, in das letzte freie, wenn auch zerstrittene und herrscherlose Reich der Alburgen. Er hatte schon zuvor oft überlegt dorthin zu gehen, aber für ihn hatte es oft wie ein Fluchtversteck für einen geschlagenen Freiheitskämpfer ausgesehen. Nun war es für ihn der letzte Ort, wohin er noch gehen konnte.
Das ständige Schaukeln des Schiffes machte das Gehen fast unmöglich. Ein Vising kämpfte sich an Duor heran, wobei er sich an den Tauen festklammerte. Er war völlig durchnässt, aber trotzdem grinste er.
„Was ist, Harsta?“, schrie Duor gegen das Heulen des Windes an. „Warum grinst du?“
„Wären wir in Ashargathan geblieben, könnte jemand unseren heldenhaften Tod bezeugen.“, schrie Harsta.
„Und darum grinst du?“
„Der Ruf unter den Lebenden ist nicht wichtig. Im Tod werden wir Helden sein.“
Harsta grinste weiter. Das war eine Freude am nahen Tod, den man nur bei den Seefahrern fand, deren Herz mit dem unergründlichen Meer verschmolzen war. Innerlich sehnten sich viele nach einiger Zeit nach einem schönen Tod im Meer und Harsta war einer von diesen Seefahrern. Das Meer war sein Zuhause wie das seiner Brüder und seines Onkels, die dieses Schiff segelten. Aber Duors Zuhause war es nicht, seine Heimat war das feste Land, dort wollte er sterben. Wenn das Schiff kenterte und sie dem Tod geweiht waren, wollte er zumindest noch einen letzten Kampf gegen die Ungeheuer der Tiefsee erleben und mit Blut an Feuerbanns Klinge zu seinen Ahnen gehen. Doch selbst wenn ihm ein solcher Tod nicht vergönnt war, würde er zumindest mit Menschen sterben, die zu seinen treuen Gefährten geworden waren.
Zusammen hatten sie in Ashargathan versucht den visingischen König dort zu ermorden. Der König hatte für viel Gold ein Bündnis mit Nodgard geschlossen und dem Schwarzen Tor tausende Krieger als Hilfstruppen versprochen. Dafür hätte er sterben müssen, aber der Mordanschla gelang nicht und nun waren sie alle zusammen auf der Flucht in ein freundliches Land, das es hoffentlich noch irgendwo gab.
„Land!“, schrie einer.
Duor drehte sich um. Tatsächlich, hinter den tosenden Gebirgen aus dunklen Wellen sah er eine graue Erhebung. Es war eine Anhöhe über dem Meer, grau, von Flecken von Schnee gesprenkelt und von Schleiern heller Nebel umgeben.
„Was ist das für ein Land?“, schrie er zu Harsta.
Harsta rührte sich nicht, sondern starrte mit seinen blassblauen Augen zu der Anhöhe hin. Er war blass, seit drei Tagen kämpften sie mit schlechtem Wetter, die Anstrengungen und die schlechte Verpflegung hatten Spuren hinterlassen. Aber immer hatte er Zuversicht gezeigt, Harsta lächelte am meisten von allen. Aber nun zeichnete sich Besorgnis auf seinem Gesicht ab. Er sagte etwas, aber es war zu leise und Duor beugte sich vor, um ihn besser zu verstehen.
„Das ist die Insel der Schatten.“, brüllte Harsta.
Duor drehte sich noch einmal zu der Höhe hin. Das war also die Insel der Schatten. Die Seeleute erzählten oft von ihr. Sie war eine der größten Westinseln, die irgendwo im Weltmeer lagen und mit Schiffen im Sommer gut erreichbar waren, von denen man aber nicht viel hörte, weil sie einfach weit abgelegen waren. Von dieser einen Insel, der Insel der Schatten, wusste Duor, dass sie seit einiger Zeit von Visingen besiedelt war. Die Heimat dieses Volkes, das alte Visland, gebar immer neue Menschen, die alle Wege auf der Suche nach Land befuhren. Selbst hier also lebten Visingen. Diese Insel hatten sie nie erreichen wollen, offenbar hatte sie der Sturm sehr weit vom Festland abgetrieben. Hier allerdings wurde das Wetter langsam ruhiger.
„Können wir dort an Land gehen?“, fragte er. „Da gibt es doch sicher einen Hafen.“
„Vielleicht gibt es da noch einen Hafen.“, antwortete Harsta mit Blick auf das Land. Noch immer zeigte sich kein Lächeln auf seinem Gesicht, dabei konnte er wieder leiser sprechen, da das Heulen des Windes nachgelassen hatte und es stattdessen einfach nur in Strömen regnete.
„Wieso soll es keinen mehr geben?“
„Cathaer soll hierhin gesegelt sein.“
Duor bekam ein ungewohnt flaues Gefühl im Magen, was bisher der ganze Sturm nicht geschafft hatte. Er kannte zwar Cathaer nicht, hatte aber genug von ihm gehört und gesehen, um ihn nicht zu mögen und sogar etwas wie Furcht vor ihm zu empfinden. Cathaer war ein Vising und ein Kriegsherr mit dem Banner eines Drachen, einer Flotte und einer Schar von bewaffneten Gefolgsleuten. Vor drei Jahren war er in dem größten Siedlungsgebiet seines Volkes auf der anderen Seite des Meeres, dem neuen Visland, erschienen und hatte eine Spur von Tod und Verwüstung hinterlassen, bis man ihn vor einem halben Jahr wieder verjagte. Danach wurde er noch einmal in Scruthan gesehen, einem kleinen, Nodgard tributpflichtigen, Königreich von Visingen am Meer, wo er geplündert hatte.
„Ich dachte, er wäre wieder ins alte Visland gesegelt.“, sagte Duor.
„Seine Flotte wurde auf dem Weg hierhin gesehen.“, erzählte Harsta.
Dann war er auf der Suche nach leichter Beute und Land, wo er seine Wunden lecken konnte, gewesen, dachte sich Duor. Es musste nicht bedeuten, dass Cathaer auf der Insel der Schatten war, aber es verhieß auf jeden Fall nichts Gutes für diesen Ort. Wahrscheinlich hatte Cathaer zumindest geplündert und war mit Schiffsrümpfen voll von Sklaven und Vorräten weitergesegelt. Er konnte aber auch auf der Insel geblieben sein, um hier zu überwintern. Duor hatte in anderen Gegenden gesehen, was ein Besuch Cathaers bedeuten konnte. Dieser Mann war ein wahnsinniger Mörder mit ständigem Blutdurst und sein Gefolge bestand aus Gesetzlosen, die unter anderen Visingen nicht mehr leben konnten.
„Es wäre besser nicht an Land zu gehen.“, meinte er dann.
„Das kannst du kaum entscheiden. Der Wind frischt wieder auf.“, sagte Harsta.
Die Wellenberge wuchsen wieder, der Wind wurde schärfer und kälter und Duor sah in der Ferne einen dunklen Schatten zwischen den grauen Wolken. Die Insel der Schatten kam näher.

Zweiter Teil: Räuberruhe

Gölc hatte sich in den Resten eines geplünderten Dorfes ein gemütliches Lager eingerichtet. Zusammen mit zwölf anderen Kriegern von Cathaers Horde, zehn Schafen und zwölf Pferden durfte er dort überwintern. Im Dorf waren nur noch zwei Frauen und drei Kinder geblieben, mit denen die Besatzer gut auskamen. Gölc wohnte jetzt in der kleinen und dunklen, aber warmen Halle. Er hatte sie vom vorigen Herrn übernommen, der im Kampf gegen Gathaers Krieger gefallen war. Die Zeit der Kämpfe war vorbei, nun ruhten sich die Räuber aus dem Osten aus, die Insel der Schatten hatte einen neuen Fürsten und zu seinem Gefolge gehörte der fünfzigjährige Gölc. Er war ein leicht untersetzter Mann mit schon grau gewordenem Bart, der sich in seinem neuen Dorf recht wohl fühlte, denn er hatte hier lieber seine Ruhe als in der Siedlung Sculdafar in der Nähe seines unberechenbaren Herrn zu sein.
Unterhalb von Gölcs Dorf war das Meer. Die Insel war hügelig und die Höhen fielen steil ab zum Meer, manchmal bildeten sie dabei hohe Klippen. Diese Stellen wurden von Seefahrern gemieden und auch die Felsen vor der Küste, die bei Flut unsichtbar unter der Wasseroberfläche lagen, machten die Insel zu einem gefährlichen Reiseziel. Wer dort draußen Schiffbruch erlitt, musste fast sicher sterben und oft sah man von den Klippen aus zwischen den dunklen Wellentürmen die Flossen und gestachelten Rücken der Meerestiere, die auf glücklose Seefahrer warteten.
Gölcs Aufgabe war es im Süden der Insel einen langen Strand unter den Hängen zu bewachen. Dieser Strand aus Kies und grobem grauem Sand bot bei Ebbe, wenn die Untiefen sichtbar waren, gute Möglichkeiten an Land zu gehen. Darum musste Gölc in regelmäßigen Abständen mit seinen Männern aus dem Dorf und den Strand entlang reiten. Sein Herr fürchtete wohl, dass hier feindliche Schiffe an Land gingen. Er selbst hatte die Insel vor fünf Monaten im Sturm erobert und hatte Angst, dass ihm ein anderer Eindringling die Beute wieder abnahm.
Gölc verließ seine warme kleine Halle nur sehr ungern für diese Ritte an den Stränden. Immer wenn er aus dem von einem kleinen Herdfeuer gewärmten Raum ins Freie trat, schlug ihm der scharfe Wind des tobenden Meeres ins Gesicht und ließ ihn zittern. Ging er weiter zwischen den strohgedeckten Langhäusern hindurch über den festgefrorenen Boden bis zum Rand des grasigen Abhangs, sah er unter sich eine Hölle aus Wasser. Alle Kraft des Weltmeeres schien gegen dieses Eiland zu peitschen, die Wellen waren höher als Häuser, unter ihren grauen Massen verbargen sich Untiefen und Schlimmeres; Sturmböen und Schauer aus Schnee und Regen gingen auf die tosende Wasserfläche nieder. Das war keine Zeit, in der ein Feind seine Krieger auf diese Insel bringen konnte. Die finsteren Meeresgötter schützten Cathaers Eroberung besser als es Waffen tun konnten. Kein feindliches Schiff konnte die Insel der Schatten erreichen, ohne zu kentern, in Strudeln zu versinken oder an den Klippen zu zerschellen.
Und Gölc meinte daher auch, dass seine Aufgabe hier eher nutzlos war. Niemand würde im Winter versuchen die Insel der Schatten anzugreifen. Nur im Sommer herrschten gute Bedingungen für Schifffahrt. Cathaer war im Herbst gekommen und das war ein großes Wagnis gewesen, denn schon die Herbststürme drohten seine Flotte zu vernichten. Gölc hatte sich auf einem der wackligen, frisch gebauten Schiffe befunden und oft gedacht, er müsste sterben. Aber sie hatten die Insel erreicht zu einer Zeit, als dort niemand einen Angriff erwartete, und sie im Sturm genommen.
Allerdings glaubte Gölc schon lange nicht mehr, dass Cathaer wirklich eine Landung von Feinden über diesen Strand während der Wintermonate befürchtete. Der neue Fürst der Insel misstraute vielen seiner Hauptleute, vor allen denjenigen, die sich ihm ohne Not angeschlossen hatten und ein ihnen ergebenes Gefolge hatten. Gölc gehörte zu Narycs Gefolge, der sich Cathaer im neuen Visland angeschlossen hatte. Diesem Naryc hatte er die Treue geschworen und Cathaer misstraute allen, deren Treueeid nicht ihm selbst galt. Gölc glaubte, dass er darum die sinnlose Aufgabe bekommen hatte den Strand zu bewachen, nur damit er weit weg war von Sculdafar und seinem Herrn, der in der Nähe der Siedlung seinen Sitz hatte.
Murrend ging Gölc seiner Aufgabe nach. Also stand er von dem mit Fellen gewärmten Sitz in der kleinen Halle auf, trat in die Kälte und ging in den Stall, wo die zwölf Pferde altes Heu fraßen. Die Pferde waren klein und struppig. Gölcs eigenes Pferd stammte von der Insel, es war eine schwarze, wunderschöne Stute. Sie hatte dem vorigen Herrn dieses Dorfes gehört, den er in der Schlacht mit der Streitaxt getötet hatte. Nun gehörte die Stute ihm und er hatte sie Whondabris, Schneegang genannt. Er sattelte sie, führte sie aus dem Stall, ihm schlug der Schneeregen ins Gesicht, er stieg in den Sattel und ritt zusammen mit vier Gefährten los.
Ihr gewöhnlicher Weg führte an Klippen, Schneebedeckten Weiden und Kiesstränden vorbei. Die einzige Gefahr, die es auf der Insel für die neuen Herren vielleicht noch gab, waren in die Hügel geflohene Aufständische, wie sie jetzt hießen, schlecht bewaffnete Siedler, die Cathaers Sieg überlebt hatten. Aber vermutlich war das letzte Dutzend von ihnen schon zerrieben worden, erfroren oder verhungert. Hier gab es noch nicht einmal Wölfe oder Bären, höchstens einige verwilderte Hunde. Es gab große Adler, die manchmal Schafe und angeblich sogar Menschen angriffen, aber über dieser Insel kreisten sie kaum noch. Hier war es so sicher und für ihn als einen Eroberer so gemütlich, dass er sich sogar vorstellen konnte dauerhaft auf dieser Insel zu bleiben. Aus diesem Dorf konnte mit einigen Bewohnern mehr ein ganz angenehmer Platz werden. Außerdem hatte er sich in die schönste der drei Sklavinnen verliebt und sie war seine Frau geworden. Sie hieß Thira und er war jeden Tag aufs Neue von ihr hingerissen, auch wenn ein Teil von ihm wusste, dass sie nur mit ihm schlief, weil er sie durchfüttern konnte. Dennoch liebte er sie inbrünstig. Er hatte schon einige Kämpfe überstanden und wollte lieber mit Thira in einer schönen Halle als auf einem kalten Acker mit einem Schwert im Leib sterben.
Nicht alle seine Krieger dachten so. Die Hälfte von ihnen, nämlich vor allem die jüngeren, wollten gerne weiterziehen und anderswo nach Beute und Land suchen. Gölc konnte das verstehen, immerhin war die Insel der Schatten nicht das schönste und fruchtbarste Land, das man sich vorstellen konnte. Die Winter waren lang und die Sommer kurz. Hier hatten sie nur gute Aussichten als Bauern bis an ihr Lebensende einige Schafe über die von stoppeligem Gras bewachsenen Weiden zu treiben und jeden Winter zu hoffen, dass die Vorräte reichten. Die meisten hätten wohl mehr Gefallen an der Insel gefunden, wenn sich für jeden eine schöne Frau gefunden hätte. Die drei Frauen im Dorf waren vor den ersten Angreifern in die Hügel geflohen und irgendwann halb verhungert mit ihren Kindern ins Dorf zurückgekommen, wo Gölc und seine Männer sie aufgenommen hatten. Cathaers Krieger hatten nach ihrem Sieg auf der Insel ein Gemetzel angerichtet und die überlebenden Siedler zu Sklaven gemacht. So waren die übrigen Bewohner des Dorfes verschwunden.
Gölc bedauerte, dass so viele Bewohner der Insel wie Vieh abgeschlachtet worden waren. Es wurden vor allem Frauen für die Männer gebraucht, damit ihnen das Leben auf der Insel leichter fiel. Mehr als die Hälfte der Siedler hatte die Eroberung der Insel wohl nicht überlebt. Darum wurde Cathaer schon jetzt „der Blutige“ genannt. Gölc hätte sich über das viele vergossene Blut vielleicht weniger geärgert, wenn die Erschlagenen von einem fremden Volk gewesen wären, aber die Siedler waren Visingen wie die neuen Herren auch. Dieser Stamm hatte die Insel irgendwann erobert und dauerhaft besiedelt, nun waren diese Siedlungen zu einem großen Teil von Cathaers Horde verwüstet worden. Er und seine zweitausend Krieger waren mit Schiffen an den Kiesstränden gelandet, waren durch die Insel marschiert und hatten ohne vorher an den Fürsten Forderungen zu stellen einfach gebrannt und geplündert, was sie auf ihrem Weg vorfanden. Der Fürst war von dem Angriff überrascht worden, er hatte nur geringe Kräfte sammeln können und war in einer blutigen Schlacht vernichtet worden. Sein Verbündeter war ihm zu spät zu Hilfe gekommen und selbst geschlagen worden, Cathaer hatte ihn von Jagdhunden fressen lassen. Wie Wölfe waren Cathaers Krieger über die Insel hergefallen. Nun saßen sie in ihren neu eroberten Höhlen, leckten ihre Wunden und langweilten sich.
Dann riss ein Brüllen Gölc aus seinen Gedanken.
Die Pferde wieherten vor Angst, scheuten und ein Krieger wurde aus dem Sattel geworfen. Gölc dachte zuerst an Feinde, aber da war kein Kriegsgeschrei. Er sah nur die schneebedeckten Hänge, die Klippen und die unruhige See. Gerade herrschte Flut und der Strand war sehr eng geworden.
„Ein Schiff!“, schrie der jüngste Krieger.
„Nur Geisterschiffe fahren im Winter.“, sagte ein älterer.
Gölc strengte seine Augen an und dann sah er wirklich ein Schiff. Es war ein kleiner Segler, der dort auf den hohen Wellen dem Ufer näher kam und wirklich ausgezeichnet gesteuert werden musste, denn bei so einem Wetter trauten sich selbst die meisten visingischen Seefahrer, die besten der Welt, nicht auf das Meer.
Aber dann erschrak er. Er hörte ein Brüllen und sah einen Drachen. Es war ein tiefer Schatten, der zwischen den tief hängenden Wolken deutlich hervortrat, dem Schiff näher kam und angriff.
„Weg hier!“, brüllte er und riss sein Pferd herum. Er brauchte es nicht anzutreiben, denn es galoppierte von der eigenen Angst angetrieben den Hang hinauf. Bei den anderen war es ebenso. Der eine abgeworfene Krieger sprang hinter einem anderen auf ein Pferd. Der Sturm tat sein Übriges und trieb sie wie mit Peitschen aus Regen und Schnee weiter, während hinter ihnen der Drachen brüllte und ein Krachen zu hören war. Schließlich kamen sie auf dem Höhenzug an.
Da war das Brüllen verstummt und es waren nur noch das Prasseln des Regen und das Aufschlagen der Wellen an die Klippen zu hören. Gölc drehte sich schnell atmend wie gehetzt um und hatte die Hand am Schwertgriff, obwohl er wusste, dass seine Waffen gegen einen Drachen kaum etwas ausrichten konnten, zumal wenn es ein Flugdrache war. Manchmal krochen Meerdrachen aus dem Wasser und ins Landesinnere. Sie konnte man einkreisen und töten, wenn man eine Menge erfahrener Männer bei sich hatte, aber gegen einen fliegenden Drachen konnte man nicht gewinnen.
Aber den Drachen sah er gar nicht mehr. Es war still geworden. Er sah nur dunkle Flecken auf den Wellen und erkannte dabei Teile eines zerschmetterten Schiffes.
„Der Drache ist tot.“, sagte einer.
„Ein Drache kann nicht tot sein.“, erwiderte Gölc.
„Sie haben ihn erschlagen oder erschossen.“
„Wie denn? Von einem Schiff aus?“, raunzte Gölc. Noch immer hatte er Angst.
„Aber er ist tot.“
Irgendwann war er überzeugt, dass dem Drachen irgendetwas zugestoßen sein musste und sie ritten wieder den Hang hinunter, wobei sie das weggelaufene Pferd wieder einfingen. Langsam nährten sie sich dem Kiesstrand und dabei spürte Gölc sein Herz bis zum Hals schlagen. Er war kein Held, war es noch niemals gewesen, und die mögliche Nähe eines Drachens erschrak ihn zutiefst. Er wäre am liebsten in seinem Dorf am Golwar geblieben, wo der Wind immer zärtlich mit dem Schilf am Ufer des schönen Flusses spielte. Nur weil er Naryc die Treue geschworen hatte und seine Eide immer hielt, hatte er seine Heimat verlassen. Er mochte die vielen Märsche, die Seereisen und die Schlachten nicht. Er hasste es sehen zu müssen, wie Freunde und Feinde getötet oder verwundet wurden und dann zuckend und blutend ihrem Ende entgegen gingen. Darum wäre er auch am liebsten wieder ins Dorf geritten, aber ein böses Schicksal hatte ihn zum Anführer dieser fünf Männer gemacht, also musste er sich tapfer zeigen.
Am Strand lagen schon zersplitterte Schiffsplanken, auf den Wellen trieben weitere Trümmer. Er sah kurz einen Arm auftauchen und weiter hinten einen Mann mit Kopf nach unten im Wasser treiben. Er hatte erwartet, dass das Schiff zerstört wurde, es hatte nicht anders kommen können.
„Der Drache!“, schrie ein Krieger und Gölc erschrak.
Er sah einen schuppigen grauen Körper, aber dieser Körper trieb im Wasser und hing an dem aus dem Wasser ragenden Mast.
Er war verblüfft. „Das Wasser ist hier seicht.“, sagte er dann. „Wir suchen nach Überlebenden.“
Angst hatte er, große Angst, dass der Drache nicht tot oder da irgendeine andere Zauberei im Spiel war. Aber er zwang sich seine Angst zu besiegen und trieb Whondabris ins Wasser hinein. Das Wasser war sehr kalt und die Stute zitterte, aber sie gehörte zu den zähen Rössern des Nordens und ging weiter hinein. Überall waren abgesplitterte Plankenteile und Seile. Mindestens die Hälfte des Schiffes war zu kleinem Treibgut verarbeitet worden. Whondabris scheute vor einem Mann, der auf dem Rücken mit weit aufgerissenen Augen im Wasser schwamm und eine Blutspur hinter sich her zog, denn ihm fehlten die Beine und ein Teil des Rumpfes. Zumindest rührte sich der Körper des Drachen nicht und langsam begann Gölc wirklich zu glauben, dass er tot war, auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, wie die Seefahrer, die wohl schon alle tot waren, das geschafft haben könnten.
„Hier ist einer, der lebt!“, rief ein Krieger.
Gölc war verblüfft. Er konnte nur ein Stück Kleidung an einer Planke sehen, aber wenn ihm zugerufen wurde, dass einer überlebt hatte, dann musste es wohl so sein.
„Holt ihn raus!“, befahl er.
Der Reiter trieb sein Pferd tiefer in die Wellen hinein, bis seine Stiefel im Wasser hingen, dann beugte er sich vor und zog einen Körper auf den Rücken des Tieres. Er machte kehrt und ritt wieder auf das Ufer zu.
„Es ist ein Krieger!“, sagte er, als er wieder auf festem Boden war.
Der Mann sah mehr tot als lebendig aus, als er auf dem Schnee abgelegt wurde und anfing Wasser hervor zu würgen. Die Krieger sammelten sich um ihn. Er war totbleich, würgte und rührte sich danach nicht mehr, aber er lebte, es waren keine Wunden zu erkennen und er atmete. Er konnte kein Fischer oder Händler sein, das Kriegerleben war ihm anzusehen. In seiner Rechten hielt er noch immer ein großes mit zähem rotem Blut verklebtes Langschwert. Unter seinem schmutzigen Mantel trug er eine Rüstung, wie sie keiner aus Gölcs Gruppe je auch nur gesehen hatte. Ein Panzer schimmernd wie mattes Silber aus Plättchen bedeckte seinen Oberkörper und darunter war ein feines Kettenhemd, das von den Ellbogen bis knapp zu den Knien reichte. Sogar seine Beine, Füße und Unterarme waren von Schienen geschützt.
„Wir nehmen ihm alle seine Sachen ab und bringen ihn ins Dorf.“, befahl Gölc. „Keiner rührt ihn oder seine Sachen an. Wir werden ihn später zum Fürsten bringen.“
Als sie ihn bis auf seine durchnässte Hose und sein ebenso durchnässtes Hemd entkleidet hatten, nahm er seinen eigenen warmen Mantel und umhüllte den Fremden damit. Er nahm es gerne in Kauf auf dem Rückweg zu frieren, denn vor diesem Mann empfand er große Ehrfurcht. Er war ein Drachentöter.

Cathaer, Kriegsherr und neuer Fürst der Insel der Schatten, hatte seit drei Tagen einen neuen Barden, der ihn unterhielt. Seine Männer hatten den dünnen und weißhaarigen Alten mit den tiefblauen Augen irgendwo in den Hügeln aufgelesen, wo er sich anscheinend versteckt gehalten hatte. Er gehörte zum Volk der Gorden, sprach aber fließend die Sprache der Visingen und konnte auch in dieser Sprache singen und dichten, während er auf einer alten Harfe spielte. Cathaer hatte einen großen Bedarf an Unterhaltung, denn die Tage in Sculdafar waren zuletzt recht langweilig geworden. Alle seine Feinde auf dieser kargen Insel waren vernichtet, die Beute eingesammelt und rauschende Feste gefeiert worden. Seit fünf Monaten verrotteten vor der Halle auf einem Spieß aufgesteckt die Köpfe von Rothgyr, dem besiegten Fürsten der Insel, und von Aruc, dem Königsbruder aus Husbran, der als Verbündeter von Rothgyr hier ebenfalls besiegt worden war. Jetzt fand deren Überwinder nicht einmal mehr neue, schöne Frauen, um seine Langeweile in diesen kalten Wintertagen zu vertreiben. Ein Dutzend Barden hatte er schon aus der Halle verjagt, weil ihm ihre Lieder nicht mehr gefielen, einen sogar auf dem Platz davor aufspießen lassen, weil er zu einer schlechten Zeit einen falschen Laut getroffen hatte. Dieser Neue aber übertraf alle diese Tölpel und Cathaer lauschte ihm immer wieder wie gebannt.
Als er eines Morgens die Halle betrat, meinte er seit seiner Ankunft auf der Insel schon mindestens zwei dutzend Kinder gezeugt zu haben. Er hatte keine Frauen nach alter Sitte geheiratet, eine Ehe hätte ihn zu sehr eingeschränkt. Stattdessen vertrieb er sich die Zeit mit den Sklavinnen seines Haushalts und den Frauen seines Gefolges. Als er eintrat, wurde es in der Halle sofort still. Der Boden und die Söller zu beiden Seiten waren voll von Gefolgsleuten, die aßen oder gerade aus einem langen Schlaf aufgewacht waren. Das waren fast alle Männer seines engsten Gefolges, die meistens schon mit ihm aus der Heimat ausgezogen waren, mit ihm gekämpft und sich irgendwie bewährt hatten. Dazu kamen noch einige Diener, denen er erlaubte in der Halle zu speisen. Mit dabei waren immer einige Frauen, deren Aufgabe es war die hier schlafenden Männer zu beglücken, weil man sie hier gefangengenommen hatte und Cathaer seinen Männern etwas gönnen wollte. Oft herrschte hier ein großes Getümmel, da in Sculdafar einfach nicht genug Häuser waren, um Teile der Leute wegzuschicken. Aber sobald Cathaer erschien, herrschte Stille wie auf einem Friedhof. Oft genug war er schon wütend geworden und hatte Untergebene, die ihn erzürnt hatten, einfach niedergeschlagen und getötet. Aber diesmal war er nicht schlechter Stimmung.
„Wo ist Tithar?“, fragte er.
Er war wohl nicht da. Nur seine Harfe lehnte an einen kleinen Schemel vor dem Thron. Der Hauptmann der Leibwachen schickte drei seiner Männer hinaus, damit sie nach dem alten Barden suchten. Er entschuldigte sich, aber Cathaer schüttelte nur den Kopf.
Oft war er mit sich unzufrieden, dann meinte er zu wenig Land und Beute erobert zu haben. Manchmal, eher selten aber meinte er es doch schon recht weit gebracht zu haben. So dachte er jetzt. Er war Herr der Insel der Schatten, konnte sich Fürst, eigentlich auch König nennen, sich auf ein bewaffnetes, ihm ergebenes Gefolge verlassen, die Beute hatte ihn reich gemacht und sein Vorgehen bei der Eroberung berühmt. Sogar dort, woher er gekommen war, im alten Visland, sprach man seinen Namen sicher schon nur noch mit Ehrfurcht aus. Er hatte schon vor seiner Abreise über das Meer viel dafür getan, so hatte er seine halbe Sippe ausgelöscht, um Herr eines eigenen starken Gefolges zu werden, bis ihn sein Onkel und die anderen Könige aus dem Land gezwungen hatten.
Nidrá, Narbe, wurde er oft genannt und er hatte nichts dagegen. Sein längliches Gesicht mit dem dünnen strohblonden Bart und dem kahl rasierten Kopf war von einem Schwerthieb mit einer von der linken bis zur rechten Backe reichenden Narbe verunstaltet worden. Sein eigener Bruder hatte damals versucht ihn zu töten und war selbst gestorben. Diese Narbe zeigte, dass man ihn als Kämpfer fürchten, ihn meiden oder ihm gehorchen musste. Rücksicht war ihm fremd, das hatte er damals gezeigt. Ein Seher hatte ihm vor langer Zeit vorausgesagt ein in der ganzen Welt berühmter König zu werden. Darum hatte er nach dem qualvollen Tod seines Vaters nach der Krone im Land Hascamad gegriffen. Schließlich war er verjagt worden, hatte ein Heer von Gefolgsleuten und Gesetzlosen aus verschiedenen Gegenden gesammelt und war schließlich auf der Insel der Schatten gelandet. Und nun wusste er nicht so recht, ob er damit zufrieden sein sollte.
Irgendwann öffnete sich die Tür zur Halle und drei Leibwächter kamen mit einer gebückt gehenden, in einen verschneiten Rentierpelz gehüllten Gestalt hinein. Die Wächter mussten die Tür gegen den eisig kalten Schneesturm wieder zustemmen, während der Barde auf einen dünnen Stab gestützt auf Cathaer zu hinkte und sich leicht verneigte.
„Hast du dich in den Hurenhäusern rumgetrieben, alter Mann?“, fragte Cathaer.
„Nein, bei den Pferden. Früher bin ich immer gerne geritten, aber jetzt bin ich ein hinkender alter Krüppel.“, antwortete Tithar.
„Erzähle mir etwas von der alten Zeit.“
„Etwas mit Pferden?“
Cathaer musste grinsen. Dann nickte er.
Tithar setzte seine alten, wie verschrumpelt aussehenden Fingern an die Harfensaiten und begann ihnen dann langsam Laute zu entlocken, die sich zu schönen Klängen verbanden und die Zuhörer träumen ließen.
„Rithir ging Rösser fangen
Von seinem Vetter Vandra
Manche schöne Mähre hatte
Der im strohgedeckten Stall,
Danach hungerten Hengste
Auf Rithirs weiten Weiden…“
Cathaer musste lächeln. „Das ist ein sehr alter Stoff aus Visland, den ich schon oft gehört habe. Aber du scheinst daraus ein eigenes neues Lied gemacht zu haben. Warst du schon einmal im alten Visland, Tithar?“, fragte er.
Tithar unterbrach das Lied und nickte. „Ja, einige Jahre. Ich war Walfänger bei König Gulham und bin dann mit Surg dem Einhändigen auf Raubfahrt gegangen. Dann war ich auch im neuen Visland auf der anderen Seite des Meeres, wo die weggezogenen Sippen eine neue Heimat gefunden haben.“
„Spiel weiter.“, befahl Cathaer.
Tithar gehorchte und spielte weiter. Er war wirklich ein ausgezeichneter Barde, dachte sich Cathaer, und es war ein Glück, dass er nicht wie die vielen anderen Alten getötet und dann den Raben überlassen worden war. Dieses Harfenspiel und der Gesang dieser alten Stimme stimmten ihn ruhig. Er kannte selbstverständlich den Ausgang der Geschichte. Rithir raubt seinem Vetter nicht nur dessen zehn schwarze Stuten, sondern auch dessen schöne Braut Lida. Es kommt zu einer Fehde zwischen Rithir und Vandra. Rithir und Lida fliehen auf Stonscöl, dem besten aller Hengste, einem Spross einer geraubten Stute. Sie werden von Boros aufgenommen, dem Gott der wilden Tiere. Von ihm wird Rithir zu Wettkämpfen gegen Menschen und wilde Tiere herausgefordert. Auf Stonscöl gewinnt er sie alle und Boros gibt ihm das Gonsdhorn, mit dem er die Pferde rufen kann. Damit zieht er wieder in den Kampf gegen Vandra und kann mit dem Gonsdhorn Boros‘ Rösser von Wasser und Eis rufen, mit denen er seinen Vetter verjagt und zuletzt noch König wird. Es war eine schöne alte Geschichte aus einer Zeit, als die Visingen noch nicht zum Volk der Seefahrer geworden waren und dort eine andere Berufung gefunden hatten. Aber es erinnerte auch daran, dass in jedem seefahrenden Visingen auch ein guter Reiter und Freund der Rösser steckte.
Irgendwann zuckte er zusammen, als er, obwohl er nur noch halbwach war, bemerkt hatte, dass die Geschichte nicht den altbekannten Verlauf nahm. „Was singst du da, Alter?“, unterbrach er den Barden. „Er hat Lida doch nicht Boros zum Pfand für das Horn hinterlassen, es wurde ihm geschenkt!“
Tithar lächelte leicht. „Diese Art der Geschichte habe ich auf Surgs Schiff von einer Hure gehört.“
Das gefiel Cathaer und er musste lachen. „Hurengeschichten können mir gefallen. Sing weiter, alter Mann!“
Und Tithar sang. Seine Erzählung wurde nun viel blutiger als die Geschichten, die Cathaer früher gehört hatte. Er ließ Rithir rauben, brandschatzen, morden und die Frauen seiner Gegner zu seinem Vergnügen nehmen, die Ernten verbrennen und seine Feinde in die Wälder jagen. Er ließ Rithir seine Fehde so führen, wie es in Visland während der langen Hungersnöte üblich gewesen war. Die Visingen hatten es sich angewöhnt Gefangene nur dann zu machen, wenn sie diese auch ernähren konnten. Im alten Visland waren die Winter immer sehr hart und die Ernten karg. Viele Kriege wurden nicht um Frauen oder Silber, sondern um Vorräte geführt und wer verlor, starb oft den Hungertod, während sich seine Feinde in seinen Dörfern eingenistet hatten. Darum waren auch viele Visingen über das Meer gefahren und hatten sich in den großen grünen Landen dort eine neue Heimat gesucht. Dort gab es viele visingische Siedlungen an den Küsten und den Flüssen. Eine Gegend, die leicht zu erreichen war und wo sich besonders viele Siedler niedergelassen hatten, wurde seit einigen Jahren das neue Visland genannt. Dorthin reisten jedes Jahr viele mutige, abenteuerlustige Krieger auf der Suche nach Beute und Frauen, aber auch einfache Bauern, die sich nach Böden sehnten, aus denen die Gerste leichter wuchs und bessere Ernten brachte. Aber das Töten vieler Feinde bei schlechten Vorräten war noch immer üblich.
„Das gefällt mir.“, lachte Cathaer. „Aber das hast du nicht von einer Hure, Alter, sondern von einem Krieger. Nun sing weiter.“
Tithar fuhr fort und dehnte die Erzählung aus. Nun trank Rithir den Bruder seines Vetters unter den Tisch, entmannte ihn, schlitzte seinen Bauch auf und hängte ihn dann vor Vandras Haus an einen Baumstamm, wo der seinen Bruder langsam sterben sehen musste. Cathaer hatte es mit dem Sohn seines eigenen Onkels Cathoas ähnlich gemacht, als er mit dem um die Krone in Hascamad kämpfte. Sein Vater Cathair war unter merkwürdigen Umständen qualvoll gestorben und sofort dachte man an einen Giftmord. Cathaer hatte es eilig gehabt seinen Herrschaftsanspruch durchzusetzen und zog vom ersten Tag an eine Blutspur hinter sich her. Niemand aus der Verwandtschaft unterstützte ihn, denn man hielt ihn für den Giftmörder. Er war es nicht, auch wenn ihm der Tod seines Vaters, der sich ständig nur betrunken und befressen hatte, gelegen gekommen war. Aber er hasste es, wenn man in seiner Gegenwart von seiner Sippe in Hascamad redete, denn immer schwang in den Reden der stille Vorwurf mit der alleinige Schuldige für die vielen Morde zu sein. Es stimmt, er hasste seine Sippe, aber er wollte nicht als der Mörder gelten.
Vielleicht wollte er solche Vorwürfe nicht gelten lassen, weil sie zu einem guten Teil stimmten. Cathaers Ehrgeiz war es immer ein eigener, starker, unabhängiger und gefürchteter Herrscher zu werden, ein Herrscher, der mehr war als die Kleinkönige im alten Visland, die über kaum mehr als ein paar Äcker geboten. Als ihm sein Bruder Cathair nicht weichen wollte, half er mit dem Schwert nach und bekam dabei die Narbe über sein Gesicht. Seinem Onkel Cathos begegnete er in der Schlacht, die der nicht überlebte. Cathaer konnte gut reden und zog junge, von seinem Vater enttäuschte und nach Ruhm gierende Krieger auf seine Seite. Aber dann wurde er in einer letzten Schlacht von seinem anderen Onkel Cathoas und dessen Verbündeten geschlagen. Er musste Hascamad über das Meer verlassen, nahm aber hunderte Gefolgsleute mit und gewann noch hunderte mehr dazu bei Raubzügen entlang der Küste bis nach Husbran. Zuletzt wurde er gejagt wie ein toller Hund und musste über das Meer segeln, ins neue Visland. Dort gewann er ein Heer und Verbündete, mit denen er plünderte und mordete, bis man ihn auch von dort verjagte. Aber er ging nicht mittellos, hatte noch immer über zweitausend Krieger und eine Flotte und er suchte nach einer anderen Beute. Er fand schließlich die Insel der Schatten und nahm sie sich.
Tithars Lied beruhigte ihn jetzt nicht und seine Gedanken zogen ihn fort von der Erzählung des alten Barden. Er dachte an die Demütigungen in Hascamad, wie man ihn gejagt und verspottet hatte, wie ihn die Sippe verflucht hatte und wie man gesagt hatte, er werde in der Ferne verfaulen, aber weder reich noch mächtig werden. Sie hatten ihn immer missachtet. Unterschätzt hatten sie ihn. Die ganze Welt war mit ihm verfeindet, selbst seine Gefolgsleute neigten zu Verrat und nur Schrecken und Silber hielten sie treu, aber er würde sich gegen die ganze Welt durchsetzen. Er würde der mächtigste Vising aller Zeiten werden und diese kleine Insel war nur der Anfang. Er würde dafür sorgen, egal wie stark die Widerstände sein würden. Er würde seine Feinde das Fürchten lehren und grausam alle Verräter aus dem Weg schaffen, damit ihm niemand mehr im Weg stand.
Die Tür wurde mit einem Ruck aufgestoßen und das Lied unterbrochen. Mit plötzlicher Wut fuhr Cathaer hoch und griff nach seinem Schwert, als ein grauhaariger Krieger mit verschneitem Mantel in die Halle trat. „Was?“, brüllte er und jeder in der Halle bis auf den Barden zuckte erschrocken zusammen.
Der Mann fiel sofort auf die Knie. „Ich bin Gölc von der Südküste, Herr.“, stammelte er. Hinter ihm traten weitere drei Krieger ein und fielen, als sie Cathaers Wut bemerkten, ebenfalls auf die Knie.
„Was willst du?“, zischte Cathaer, stand auf und ging auf den Mann zu. Seine stillen Gedanken hatten ihn wütend gemacht und nun war dieser
Gölc stammelte irgendwas, das Cathaer nicht verstehen konnte. Er schritt an den Bänken vorbei und die Anwesenden machten voller Furcht den Weg frei, als er sich den vier Männern näherte, die in seine Halle eingedrungen waren.
„Wir bringen einen Gefangenen!“, rief dann einer von Gölcs Begleitern.
Cathaers linker Mundwinkel zuckte. Gefangene wurden immer wieder gemacht, Schiffsbrüchige und in die Hügel geflohene Feinde waren es immer. Er wurde wütend, wenn man ihn wegen solcher Nichtigkeiten störte. „Was für einen Gefangenen?“, zischte er und seine Leibwächter sammelten sich mit Speeren hinter ihm.
„Er ist nicht von unserem Volk.“, antwortete Gölc, ein untersetzter älterer Krieger mit schon grau gewordenem Bart.
„Von welchem dann?“ Cathaer war wütend, dass man ihm seine Zeit stahl.
„Er ist Alburge.“
Cathaer hob die Augenbrauen. Einen Alburgen hatte er hier wirklich nicht erwartet. Man fand diese Leute fast nur auf dem Festland, wo sie sich vor ewigen Zeiten angesiedelt hatten und die Erzfeinde der dorthin gezogenen Visingen waren. Sie galten als tapfere Krieger und gute Reiter, aber nicht als Seefahrer.
„Und er hat einen Drachen getötet.“, ergänzte Gölc.
„Was?“, fragte Cathaer. Nun war er wirklich überrascht. „Redest du wirr?“
„Ein Flugdrache hat sein Schiff vor der Küste angegriffen. Er hat ihn getötet und als einziger überlebt.“ Die Worte kamen wie eine Schwemme aus dem Mund des verängstigten Gölc, der Cathaer irgendwie an ein fettes graues Frettchen erinnerte. Aber was er sagte, weckte die Neugierde des Kriegsherrn, darum ließ er den Mann fortfahren: „Wir haben ihn zum Strand gezogen und in unser Dorf gebracht. Da war er bewusstlos. Wir hatten Angst vor ihm, Herr, denn er musste ein großer Krieger sein. Er hatte nämlich eine Rüstung, so eine gute hatte ich vorher noch nie gesehen und meine Männer auch nicht. Wir haben ihn in ein Bett gelegt und gepflegt, aber wir haben ihm die Rüstung und die Waffen abgenommen.“
„Ist er hier?“, unterbrach Cathaer den Wortschwall.
Gölc sah betreten aus. „Nein, Herr. Ich will euch erklären warum, wenn Ihr erlaubt: Ich habe dann einen Boten zu Sithroc geschickt, der in Agasdarf seinen Sitz hat. Sithroc hat uns befehlen lassen, dass wir den Alburgen zu ihm brachten. Der war inwischen wieder stärker geworden und ich habe ihm gesagt, dass er zu Eurem Hof geladen wurdet. Das hat er geglaubt und ist einfach mitgeritten.“
„Warum hast du so etwas erzählt?“, zischte Cathaer. „Du Lügner erzählst falsche Sachen in meinem Namen!“
„Ihr hättet den Fremden doch sicher ohnehin hierher holen lassen.“, erklang dann Tithars schöne Stimme neben ihm.
Cathaer nickte. Dabei hatte er schon vorgehabt diesem stammelnden Mann vor ihm mit dem Schwert den Schädel einzuschlagen und es kam nicht oft vor, dass er seine Meinung auf das Anraten fremder Leute hin änderte. Aber er wollte ja wissen, was geschehen war, auch wenn ihn dieser Mann vor ihm wütend gemacht hatte. „Was dann, Gölc?“, fragte er dann.
„Sithroc hat befohlen den Alburgen zu fesseln und unter ein Joch zu legen, Herr. Er meinte, der Fremde wäre ein feindlicher Eindringling und müsste bestraft werden.“, erzählte Gölc weiter. „Aber dann hat sich der Alburge gewehrt, hat Sithroc das Schwert aus der Scheide gezogen und dann sieben von unseren Leuten erschlagen, bis wir ihn überwältigen konnten. Sithroc ist deswegen auch tot. Der Fremde wurde in Agasdarf mit Ketten an einen Pfahl gefesselt und jetzt müssen wir wissen, was Eure Befehle sind.“, sagte er und klappte den Mund zu wie ein Frosch, dessen Quakvorstellung geendet hatte.
Cathaer dachte kurz nach. „Nimm ein Dutzend Männer von meiner Leibwache mit und schaff den Alburgen hierher, aber als Gast meiner Festtafel.“, befahl er. Dann drehte er sich um, ging wieder zu seinem Thron und setzte sich hin, um in finsteren Gedanken zu versinken.

Duor emfand nur Wut.
Dieses Gefühl unterdrückte den Schmerz, der überall in seinem frierenden Körper nach Wärme schrie. Der Gedanke daran ein Schwert in die Hand zu bekommen oder auch nur ein festes Stück Holz und damit diese Wachen abzuschlachten, die ihn mit festen Tauen an diesen im Freien stehenden Pfahl gefesselt hatten, ließ ihn vergessen, dass er seine Füße und Finger schon nicht mehr spüren konnte. Die Wut ließ ihn die Zähne so fest zusammenbeißen, dass sie nicht klapperten und seinen Schmerz nicht verrieten.
Duor Haldar war seiner Rüstung und seiner Waffen beraubt. Er trug nichts bis auf seine Hose, sein Hemd und seine Stiefel. Sein langes blondes Haar war voll von dicken Schneeflocken und seine breiten Schultern waren bedeckt davon. Die Fesseln drückten ihn gegen den Pfahl aus Eibenholz, der in der Mitte eines großen Dorfes stand. Der Pfahl war kalt wie Eis, Duor musste die Kälte des von Raufrost bedeckten Holzes von seinen Fersen bis zum Hinterkopf spüren, er musste auch die Blutergüsse an seinem Gesicht und überall sonst an seinem Körper fühlen, aber der Schmerz war überdeckt von seiner Wut auf diejenigen, die ihm das angetan hatten.
Er sah sie nur wenige Schritte von ihm entfernt, wie sie sich um ein prasselndes Lagerfeuer kauerten. Es waren fünf Männer mit Speeren und Äxten, die ihn bewachten, den Mann, der sieben von ihresgleichen erschlagen hatte, die noch immer unbeerdigt auf den Schneebedeckten Wiesen lagen, weil der Boden zu hart gefroren für menschliche Spaten geworden war. Ausgeburten des visingischen Volkes! Söhne einer Hure, die sich von einem Ziegenbock reiten ließ! Gefesselt hatten sie ihn, dabei hatte er ihnen nichts getan. Sein Schiff war einfach gegen die Küste dieser von den Göttern verlassenen Insel getrieben worden, er hatte gegen einen Drachen kämpfen müssen, war ohnmächtig geworden und diese Missgeburten hatten ihn einfach verraten und zu fesseln versucht. Er hatte sich gewehrt, als sie ihn umringten. Sieben von ihnen hatte er mit einem von ihren eigenen Schwertern erschlagen, darunter auch den geifernden Hurensohn, der sie anführte. Aber er war noch immer leicht benommen gewesen von dem Kampf mit dem Drachen, hatte einen Schlag auf den Hinterkopf bekommen und sich dann an diesen Pfahl gefesselt wiedergefunden.
Voller Wut starrte er diese fünf Männer zwischen siebzehn und fünfundzwanzig Jahren an, die ihn in ihrer rauen Sprache verspotteten, aber doch Angst vor ihm hatten, diesem Mann von vierzig Jahren, der kräftiger war als jeder einzelne von ihnen und schon ungezählte Feinde im Kampf erschlagen hatte. Hin und wieder ging einer zu ihm hin und reichte ihm einen Krug mit heißer Suppe, die er nur trank, damit ihn die Wärme am Leben hielt, denn er wollte leben, um Rache zu nehmen an diesen von Schweinen und räudigen Kötern. Sie genossen es ihn leiden zu sehen, hatten aber Angst vor ihm. Wenn er nur frei wäre und ein Schwert hätte, würden sie jaulend wie erschrockene Hunde fliehen.
Mit einem der schmierigen Hurensöhne hatte er sich unterhalten können. Der Vising war sturztrunken gewesen und hatte von den großen Siegen seines Herrn Cathaer geprahlt. Seitdem wusste Duor, was auf dieser Insel geschehen war. Cathaer war völlig überraschend mit seinen Kriegern an Land gegangen, hatte Rothgyr, den Fürsten dieser Insel, und Aruc, dessen Verbündeten aus Husbran, besiegt, getötet und war danach über die Siedler hergefallen wie ein Wolf über Schafe. Mehr als die Hälfte der Bewohner hatten das Gemetzel hier wohl nicht überlebt. Duor hatte noch von keinem anderen Kriegsherrn gehört, der ohne Not so viel Blut von Wehrlosen vergossen hätte, besonders wenn es keine Fremden waren. Wo die Visingen einfielen, floss Blut. Wenn sie siegten, wurde fast jeder, der sich ihnen entgegenstellte, erschlagen. Nutzlose Alte und Krüppel wurden von ihnen getötet. Wer nützlich war, gefangene Männer, Frauen und gesunde Kinder, wurde versklavt. Plündernde Visingen zogen immer Scharen von Sklaven mit sich. Aber hier war es anders, hier war ohne Not mehr getötet worden als man es von irgendeinem anderen Ort kannte. Auf der Insel der Schatten musste ein Wahnsinniger gewütet haben und Duors gewaltige Wut richtete sich auch auf ihn, denn wo unschuldiges Blut geflossen war, egal ob von Alburgen, Visingen oder sonst jemandem, musste er wütend werden, auch weil dann so viele Erinnerungen an seine eigene Kindheit aufkamen, an die Erlebnisse, die ihn hierher getrieben hatten, weil sie ihn auf eine Reise geschickt hatten, die hier vielleicht in Eis und Schnee ihr Ende finden sollte.

Dritter Teil: Dunkler Zauber

Es war furchtbar kalt, aber Fyrc ging auf die Jagd und mit ihm stampften drei von seinen Männern in die Wälder. Nichts mochte Fyrc lieber als die Jagd und hier wollte er damit nicht aufhören. Überall wo er bisher gewesen war, egal an welcher Küste des Weltmeeres, hatte er gejagt und seine Beute war jedes Tier, das er finden konnte, und wenn es keine Tiere gab, dann ließen sich oft genug Menschen fangen, die auch einen Wert hatten. Er gehörte zu den Männern, die sich Cathaer schon im alten Visland angeschlossen hatten und darum bevorzugt wurden. Er war seinem Herrn immer treu gewesen, darum war er nun Herr in einem großen Dorf in den Höhen und durfte nach Herzenslust jagen gehen.
Die mit Bögen und Spießen bewaffnete Schar ging leise durch die dunklen Hügelwälder oberhalb der Küste. Hier gab es Schweine und schwarze Hirsche. Die schwarzen Hirsche waren kleiner und struppiger als ihre Verwandten in anderen Ländern und sie waren sehr scheu und schnell. Die Schweine waren nichts anderes als verwilderte Nachfahren von Hausschweinen, die von den Siedlern von jenseits des Meeres hierhin gebracht worden waren. Auf der Insel der Schatten fanden sich nun viele Tiere, die es auch anderswo gab, aber diese Gegend hatte dennoch ganz besondere Eigenheiten. Königliches Ansehen winkte einem Jäger, der einen der riesigen Donneradler erlegen konnte. Solche Tiere fand man nur auf dieser Insel und einigen anderen kleineren Flecken inmitten des Weltmeeres. Sie ähnelten Adler, hatten aber ein schwarzgraues Gefieder und waren sehr viel größer als alle Adler, die man sonst kannte. Donneradler konnten tagelang über der Erde fliegen, oft rissen sie Schafe, manchmal sogar achtlose Menschen, und fraßen sie auf. Man sah sie nicht oft, aber doch oft genug. Diese Tiere wurden gefürchtet und gejagt. Mit Bögen konnte man sie abschießen, aber nicht jeder Schütze schaffte es einen dieser riesigen Tiere zu treffen, wenn sie durch die ständigen Sturmwinde flogen als wären sie eins mit dem kalten Wind.
Fyrc liebte es hier zu jagen. Seit der Befriedung der Insel hatte er die meiste Zeit nur gejagt. Im Winter gab es hier für einen Krieger sonst nichts zu tun und die Wälder und Hügel im Inneren der Insel waren schön. Seine alte Heimat, aus der fortgezogen war, bestand nur aus flachen Wiesen und Birkenwäldern, wo er sich irgendwann gelangweilt hatte. Wegen eines Streits um Land nach dem Tod seines Bruders war er zum Gesetzlosen geworden und hatte seine Heimat mit einigen Gefoglsleuten auf einem Schiff verlassen und sich Cathaer angeschlossen. Er war als Krieger mit dem Schwert so gut wie als Jäger mit dem Bogen. Aus den Raubzügen seines Herrn hatte er Nutzen gezogen, sein Haushalt war voll von der Beute, die ihm Cathaer gelassen hatte: Elfenbein von Walrössern und Walen, Pelze von weißen und silbergrauen Füchsen, silberne Münzen und Bernstein, dazu Sklaven. Vierzig Sklaven gehörten ihm jetzt, darunter sieben Frauen, mit denen er sich die einsamen Winternächte vertrieb und wohl schon einige Kinder gezeugt hatte. Wie Cathaer meinte er, dass die Ehe die Strafe für sesshafte und feige Männer war, die Vielweiberei mit gefangenen Frauen hingegen das schöne Vorrecht der Eroberer.
Eine kurze Bewegung im Geäst ließ ihn anhalten und seinen Männern ein Zeichen geben. Es war ein wunderschöner schwarzer Hirsch mit stolzem weißem Geweih, der zwischen den Bäumen stand und Rinde von den Ästen fraß. Fyrc lächelte, dieser Hirsch war wunderbar. Er hatte das Recht als erster zu schießen und legte langsam, sorgfältig, fast fürsorglich einen Pfeil an die Sehne, richtete den Bogen auf und spannte ihn langsam, sodass jede Sehne seines rechten Armes das Zittern der Sehne spürte.
Dann flog der Pfeil und Fyrc wollte sich verfluchten, denn der Hirsch sprang weg.
„Er ist verwundet, Herr!“, sagte einer der Jagdbegleiter. „Den holen wir noch ein.“
Sie liefen den Hang zu der Stelle, wo der Hirsch gestanden hatte, hinauf. Als sie keuchend oben ankamen, sahen sie ihn nicht, dafür aber rote Bluttropfen auf dem alten Schnee.
„Bei Boros!“, zischte Fyrc. „Den lassen wir nicht entkommen. Weiter!“
Sie folgten den Abdrücken der Hirschhufen weiter durch den lichten Wald aus Fichten und Birken. Es fiel kein Schnee, stattdessen ging nur ein leichter, aber wie immer kalter Wind und der Himmel war voll von dunklen grauen Wolken. Das Laufen hielt die Jäger warm und sie waren in dicke Pelzmäntel gekleidet. Die Visingen wurden dafür gefürchtet, dass sie sich nur selten von der Kälte abschrecken ließen. Sie waren ein Volk der Kälte, auch wenn viele von ihnen vor der Kälte in wärmere Länder flüchteten. Fyrc war nun vom Jagdeifer befallen, der Hirsch war verwundet und würde ihnen nicht entkommen können, sondern laufen und laufen, bis er schwächer wurde und sie einen Schwarm von Pfeilen in seinen schönen Körper schießen konnten.
Aber der Hirsch hatte noch genug Kraft, um weit zu rennen, weit genug, um sie in eine Gegend zu locken, die sie nicht kannten. Irgendwann fühlten sich auch Fyrc dicht eingepackte Beine müde an und als er an einer Gruppe in den Boden versenkter Steine vorbei kam, rutschte er aus und fiel auf ganzer Länge hin.
Fluchend rappelte er sich wieder auf. „Unglückssteine!“, schimpfte er.
Es waren dunkle Blöcke von Steinen, die nicht von den Kräften der Wildnis geschaffen zu sein schienen. Sie waren kantig und mussten einmal in einer festen Ordnugn an diesem von Fichten bewachsenen Hang gestanden haben. Irgendwelche Zeichen waren darauf eingeritzt, von denen aber mittlerweile fast nichts mehr zu erkennen war, zu sehr hatten Frost und Wärme daran gearbeitet. Man mochte diese Steine nicht, sie hießen Unglückssteine, da in ihrer Nähe immer wieder Ungeschick geschah, wie Fyrc diesmal selbst bewiesen hatte. Er hoffte, dass ihm diese Steine nicht auch noch die Jagd auf diesen schönen Hirsch verdarben.
Und sie wurde ihm verdorben, aber auf besondere Art. Er entdeckte Menschenspuren. Seine Gefährten blickten ihm verwundert nach, als er stehen blieb, nach links schaute und dann über Abdrücken von zwei Paaren von Menschenfüßen stand. Sie kennzeichneten einen Pfad.
„Ist von uns sonst noch jemand hier?“, fragte er.
Seine Gefährten schüttelten die Köpfe.
Fyrc starrte auf die Spuren. In seinem Kopf kämpfte er gegen die Verlockung weiter den Hirsch zu jagen, aber diese Spuren waren von Menschen, die erst vor kurzem hier vorbei gegangen waren.
„Zwei Menschen, einer ist wohl eine Frau.“, sagte einer der Jäger, der Spuren sehr gut lesen konnte.
Fyrc nickte. „Dann begeben wir uns jetzt auf Sklavenjagd.“
Sie fanden ihre Beute in einem kleinen Tal. Dort lagen zwei Hütten um die Reste eines Köhlermeilers herum. Die vier Männer näherten sich den Hütten langsam. Zwei Kinder in zerlumpter Kleidung saßen dort an einem kleinen Feuer. Irgendwann schrie eines von den beiden auf und dann rannten die Jäger ins Tal herunter. Schreiend stoben die Kinder weg und ihnen folgten noch drei andere Gestalten aus den zwei Hütten, drei Frauen, die nun das Wild für die Jäger waren. Diese Frauen und Kinder gehörten zu den Visingen, die sich nach Cathaers Einfall versteckt hatten, um nicht in die Sklaverei zu geraten. Diese zwei Köhlerhütten waren auch so gut wie unmöglich zu bemerken, da das Tal eng und abgelegen war. Nun hatte aber ein böser Gott die Jäger zum Versteck dieser Menschen geholt.
Am anderen Ausgang des Tals stolperte eine Frau. Die anderen Flüchtlinge drehten sich um und wollten ihr helfen, aber da holten die Jäger auf und sie flohen. Die Frau wollte weiterlaufen, aber da griffen schon harte, kalte Hände nach ihren Armen, Beinen und ihrem Rücken und hielten sie am Boden fest. Sie schrie und versuchte zu entkommen, während die Männer lachten. Dann wurde sie mit einem Ruck umgedreht. Sie war sehr schön, hatte lange, feste blonde Haare und ein Gesicht mit hübschen Sommersprossen und tiefbraunen Augen.
Sie war die schönste Frau, die Fyrc jemals gesehen hatte, so schön, dass sie die Braut eines Königs sein konnte. Er war so hingerissen, dass er sich sofort auf sie legte und seine Hose öffnete.
„Lasst sie mir!“, knurrte eine Stimme.
Fyrc und seine Gefährten drehten sich überrascht um und sahen wenige Schritte neben ihnen einen Reiter.
Er saß auf einem schnaubenden schwarzen Hengst. Er trug einen dicken Mantel aus Fuchsfell und darunter ein Lederwams. Er war wohl nicht mehr als fünfunddreißig Jahre alt, hatte aber schon ein hageres, ausgezehrtes Gesicht mit grauen Strähnen im schütteren Haar und einschüchternd dunklen Augen. Eine goldene Kette am Hals und ein Langschwert in einer prächtigen Scheide verrieten, dass er kein einfacher Mann war.
Auf Fyrc machte er zumindest genug Eindruck, dass er von der wimmernden und weinenden Frau abließ, seine Hose schloss und sich aufrichtete. „Wer seid Ihr?“, fragte er.
„Ich heiße Scrasbor.“, antwortete der Reiter. „Gebt mir die Frau.“
„Warum?“, empörte sich Fyrc. „Ich bin von mindestens demselben Stand wie Ihr und das ist meine Beute, eine von denen, die sich in den Hügel vor uns versteckt halten.“
Er sagte das, aber aus irgendeinem Grund hatte er vor diesem Reiter auf seinem schwarzen Hengst Angst. Vielleicht waren es die dunklen Augen, die ihm diese Angst einjagten und ihm sagten, dass dieser Mann gefährlich war. Dabei war er nur einer, sie hingegen waren vier und hatten Speere, Bögen und Pfeile oder kleine Beile an den Gürteln.
„Weil sie mir zusteht.“, zischte der Reiter und obwohl er damit eigentlich nichts gesagt hatte, war es doch so bestimmt gesagt worden, dass Fyrcs Angst größer wurde.
„Woher kommt Ihr?“, fragte Fyrc und ein leichtes Zittern mischte sich in seine Stimme.
Der Reiter lächelte böse. „Von jenseits des Meeres. Und jetzt gebt mir die Frau.“
„Ein Schatten.“, flüsterte einer von Fyrcs Jägern und er selbst zitterte. Aber das war ein Reiter aus Fleisch und Blut, keiner von den Schattengestalten, von denen man sagte, dass sie die Geister der Toten waren, die weiter über die Insel wanderten, wonach diese Insel ihren Namen hatte. Er hatte diese Erzählungen als Ammenmärchen abgetan, aber nun glaubte schon ein Teil von ihm, dass dieser Reiter ein Schatten war. Die Frau sah zum Reiter hoch, zitterte und griff nach Fyrcs Hand, der gerade eben noch mit offener Hose auf ihr gelegen und ihr Kleid hochgezogen hatte. Aber Fyrc hatte jetzt mehr Angst um sich selbst als um seine schöne Beute.
„Warum?“, fragte er den Reiter noch einmal.
„Weil sie einen schönen Körper und ein hübsches Gesicht hat.“
„Ihr könnt sie haben, wenn wir mit ihr fertig sind und Ihr einen anständigen Preis bezahlt.“, entgegnete Fyrc, aber er klang nicht überzeugend.
Das Gesicht des Reiters verzog sich, zuerst sah es wie eine Grimasse aus, dann wurde daraus ein schiefes Grinsen. Er griff in seinen Mantel, dann hob er die Hand und zehn silbern funkelnde Münzen flogen heraus, die vor Fyrc im Schnee landeten. Fyrc griff nach den Münzen und klaubte sie mit seinen von der Kälte roten Fingern aus dem Schnee.
Dann nickte er schwach.
Der Reiter grinste. Die Frau schrie, aber Fyrcs Männer griffen nach ihr, rissen sie hoch und warfen sie dem Reiter zu. Der packte sie am Kleid, das Pferd schnaubte, er riss sie mit unerwartet großer Kraft hoch und legte sie vor sich über den Sattel. Er drückte seinem Pferd die Fersen in die Seiten, dann galoppierte der Hengst mit dem lachenden Reiter und der wimmernden Frau davon.
Und Fyrc konnte die zehn Silbermünzen nicht in seiner Hand halten, sie fielen ihm aus den zitternden Händen heraus zu Boden und lagen dort im kalten Schnee.

Cathaer war lange guter Laune gewesen, aber das war nun vorbei, sogar mit seinem Barden Tithar war er unzufrieden. „Diese Erzählung gefällt mir nicht.“, schimpfte er. „Dein Harfenspiel und deine Art mit deiner alten Stimme zu singen sind gut, aber die Erzählung gefällt mir nicht.“
Tithar hob die Augenbrauen. Er hatte wohl den Geschmack seines Herrn nicht ganz getroffen. Er hatte Rithir weiter gegen seinen Vetter Vandra kämpfen und dabei morden, brennen und vergewaltigen lassen. Vandra war mit blutendem Körper eine Klippe hinunter gestürzt worden und unter Rithirs Augen langsam gestorben. Rithir hatte nur noch mit den geraubten Frauen geschlafen und darüber seine geliebte Lida völlig vergessen. Darum brachte er Boros das Gonsdhorn nicht zurück und der Gott nahm Lida darum mit in die dunklen Wälder hinter den Pforten in die jenseitige Welt. Als Rithir der Sklavinnen müde geworden war, verzweifelte er und wollte sich selbst von der Klippe stürzen, unter der sein Vetter gestorben war.
„Es kann doch nicht sein, dass er unter den Sklavinnen keine fand, die so viel wie Lida wert war.“, sagte Cathaer. Er saß auf seinem Thron, hatte gerade Gerstenbrei gegessen und war schlechter Stimmung, dass die Geschichte anders verlaufen war als erwartet.
„Wie hätte die Geschichte denn weitergehen sollen?“, fragte Tithar und ließ seine Finger über die Harfensaiten streichen.
„Irgendwie anders.“ Er lehnte sich zurück und dachte nun selbst über ein anderes Ende der Geschichte nach. „Wie wäre es…“, sagte er und verstummte dann wieder, um nachzudenken. Der alte Barde wartete geduldig und schließlich fiel Cathaer etwas ein: „Rithir fordert Boros zum Kampf heraus und der Gott kommt mit seinem Heer aus wilden Tieren. Und dann kommt es zu einer Schlacht und Rithir treibt den Gott in seine dunklen Wälder zurück, erbeutet Lida und macht sie zu seiner Hauptfrau.“
Tithar nickte langsam. „Das wäre eine Möglichkeit.“
„Wir Visingen mögen keine Geschichten, die in Tränen enden. In Blut und Wein sollen sie enden.“
„Wo Blut fließt, fließen auch Tränen.“, meinte Tithar.
Cathaer schüttelte den Kopf. „Sicher ist es so. Aber wenn genug Blut fließt, gibt es später keinen mehr, der Tränen vergießt.“
Die Halle war fast ganz leer bis auf drei Leibwächter, die in ihren Rüstungen am Ausgang saßen und dösten. Cathaer saß auf seinem Thron mit Wolfsfellen und vor ihm saß Tithar auf einem Schemel mit seiner Harfe und die beiden redeten leise miteinander.
„Habt Ihr darum so viele von den Leuten hier töten lassen?“, fragte dann Tithar.
Cathaer hatte mit dieser Frage nicht gerechnet, denn sie war dreist und er war nicht mehr gewohnt, dass jemand in seiner Halle solche Fragen zu stellen wagte. Er wusste zuerst nicht, was er darauf antworten sollte, aber er war nicht in der rechte Stimmung, um jemanden wie diesen doch sonst so wunderbar spielenden Barden zu bestrafen.
„Auch.“, antwortete er dann leise und fügte hinzu: „Diese Insel ist karg und die Vorräte müssen für die Krieger reichen.“
„Also habt Ihr töten lassen, damit die Vorräte reichen.“
Cathaer nickte. Es entsprach vielleicht nicht ganz der Wahrheit, er hatte immerhin auch so viel Blut fließen lassen, damit sich sein Schreckensruf weiter verbreitete, denn daran fand er Gefallen. Aber das erzählte er nicht gerne. „Wie hättest du an meiner Stelle gehandelt, Tithar?“
Tithar antwortete nicht sofort. „Wollt Ihr hier bleiben?“, fragte er dann.
Das war keine Antwort auf Cathaers Frage gewesen, aber Cathaer wurde darum nicht wütend. Vor guten Barden hatte er immer Achtung empfunden, solange ihre Harfenklänge gut und ihre Lieder aufheiternd oder spannend waren. Und Tithar konnte er beides nicht absprechen.
„Die Krieger wollen Beute machen, sie sind nicht geschaffen worden um Schafhirten oder Fischer zu werden.“, sagte er und zum Teil war das der Grund, wieso er hier nur überwintern wollte. Tatsächlich konnte er selbst am allerw


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17/08/2010 20:49
ich schließ mich rehte an, schöne idee

17/08/2010 18:02
Hey, coole Idee mit dem Messi, gefällt mir...

17/07/2010 19:49
Pfft

17/07/2010 14:36
Moin Ich hab mal die PN einstellungen verändert auf 50 Einträge jeweils,aber achtet bitte in Zukunft darauf auch mal etwas zu löschen! In diesem Sinne BD

13/07/2010 20:38
schön das du wieder da bist Grin aber zerflossen sind wir Smile

12/07/2010 09:47
meldet sich zurück, und hofft ihr seid nicht davongeflossen die letzten Tage Grin

24/06/2010 13:04
wünsche allen einen schönen Sommer, bin nun mal 3 Wochen in Urlaub, haltet mir das Forum Sauber, bis dann BD

06/06/2010 20:39
also über mangelnde sonne konnten wir uns ja nun wirklich nicht beklagen Smile

04/06/2010 19:08
Ich wünsche euch allen ein Sonnenreiches WE, und viel Spass

12/05/2010 18:22
ich wünsche allen männern hier, einen ereignisreichen männertag Wink

   
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